Vorteile / Nachteile

“Warum soll ich Webware verwenden?”, könnte man fragen.
Ich sage: Weil es – derzeit – Spaß macht. Es gibt allerdings auch gute Gründe dafür – und ebenso triftige Gründe, die gegen Webware sprechen.

Webware-Vorteile:

  • Kosten: keine. Derzeit ist Webware meist gratis nutzbar, während Programme viel Geld verschlingen.
  • Aktualität: höchste. Jedes Jahr kommen neue Versionen auf den Markt, weil der Hersteller mit Updates Geld verdienen will – die Software im Browser ist immer aktuell und verlangt keine Neustarts.
  • Verfügbarkeit: immer. Weil „Webware“ stets im Browser läuft, ist es ganz egal, wo Sie sich befinden: Sie können Sie stets nutzen, sofern der Notebook, der Arbeitsplatz-PC, der Rechner im Internet-Cafe einigermaßen aktuelle Browser verwenden.
  • Bedienung: einfach. Sie müssen sich nie mehr umgewöhnen: Das Web-Textprogramm sieht zuhause genauso aus wie im Büro. Und meist ist es sehr einfach zu nutzen.

Natürlich hat die Sache auch ein paar Haken:

Webware-Nachteile:

  • Netzzugang: nötig. Zum Beispiel brauchen Sie für die meisten Tools eine Internet-Verbindung. Doch die ist mit UMTS-Sticks schon für 2,50 Pro Tag (zum Beispiel Fonic) oder zu Flatrate-ähnlichen Paketpreisen vom um die 30 Euro pro Monat (zum Beispiel moobicent) zu haben.
  • Arbeitstempo: schnarchig. Denn Webware läuft meist als Script im Browser. Je komplexer die Software – typisch: Office-Programme – desto langsamer läuft alles. Manchmal nur bei ersten Aufruf, weil nur dort alle Java-Klassen auf Ihren PC übertragen werden. Manchmal auch danach.
  • Funktionsumfang: gering. Webware bietet noch nicht die Features, die normale Software bietet, sondern meist nur die wichtigsten. Man kommt meist damit aus, aber eben nicht immer.
  • Datenspionage: möglich. Egal, was Sie in einer Webware machen: Der Hersteller weiß es. Das ermöglicht – theoretisch – völlig neue Methoden, das Nutzerverhalten zu studieren. Das kann auch gut sein: Wenn der Hersteller bemerkt, dass die Benutzung einer Serienbrieffunktion immer einer bestimmten Stelle scheitert, kann er sie optimieren. Das kann aber auch schlecht sein (siehe unten).
  • Verlässlichkeit: ungewiss. Das Thema ist jung, steckt noch in den Kinderschuhen. Man bedenke: Die wichtigsten Web-Marken von heute – Amazon, eBay, Google, Yahoo – gab es vor 15 Jahren noch nicht – einstige Marktführer – CompuServe, Netscape – existieren schon nicht mehr. Kurz: Was heute eine tolle oder verlässliche Webware ist, kann schon morgen verschwunden sein. Zum Beispiel, weil es sich “gratis” nicht lohnt, ein Konkurrenz die Firma aufkauft (und vom Netz nimmt) oder weil deutsche oder europäische Benutzer plötzlich keine US-Software mehr benutzen können, so wie das ja mit einigen Internet-Radios schon der Fall und bei DVDs üblich ist. (Ich schätze allerdings, vor 2010 wird man derlei Probleme nicht sehen.)

Zum Nachteil “Netzzugang”:

Die Verbindung ins Internet muss keineswegs immer stehen: Googles Gears-Software erlaubt es zum Beispiel, Anwendungen wie Google Texte & Tabellen online und offline gleichermaßen zu verwenden. Besteht eine Verbindung, werden die verbindungslos geschriebenen neuen Sätze oder Tabellenwerte einfach synchronisiert. Und weil Google Gears frei verfügbar ist, verwendet auch anderere Webware diese Technik – Zoho Office zum Beispiel oder die Blogsoftware WordPress. Gears kommt als Teil des Browser Google Chrome, ist aber auch als Plugin für Firefox (Linux, Mac), Internet Explorer (Windows) und Safari (Mac) zu haben.

Zum Vorteil “Gratis”:

Ich behaupte, dass man als einfacher Anwender derzeit völlig ohne Kaufsoftware auskommen kann. Ich finde das allerdings nicht unbedingt erstrebenswert: Arbeit muss bezahlt werden, auch Programmierarbeit. Und man darf sich da nichts vormachen: Früher oder später wird Webware Geld kosten. Vielleicht nicht die von Google, aber andere bestimmt. Schon 1995 äußerten Mitarbeiter der Firma WordPerfect mir gegenüber den Wunsch, Software nach Zeit abzurechnen statt nach “Versionen”. Okay, WP existiert nicht mehr, aber ist die Idee so unwahrscheinlich?

Keineswegs. Software wie Windows XP oder Windows Vista, die “aktiviert” werden muss, kann ihren Kunden schon jetzt eines Tages des Dienst verweigern – weil Microsoft nicht mehr existiert, oder keinen Support mehr für die Plattform gibt und daher den Aktivierungsdienst abschaltet. Das ist zugegebenermassen sehr unwahrscheinlich, zumal sich für Vista in 10 Jahren ebenso wenig Nutzer interessieren werden wie heute für Windows 98, das viele Anwender scheinbar lange Zeit nicht gegen XP tauschen wollten – und es dann doch irgendwann taten.

Antivirenhersteller arbeiten bereits mit Jahresmodellen. Dort gab es nie einen Aufruhr. Jeder sieht ein, dass man alle Jahre wieder Geld bezahlen muss. Gleiches bei Steuerprogrammen, die man nur einmal im Jahr benötigt, die aber alljährlich an neue Steuergesetze angepasst werden müssen. Kurz: Wir gewöhnen uns bereits daran, und die Hersteller bringen bereits weitere Abo-Modelle (Microsoft Windows Live, Apple MobileMe) in Stellung.

Die Abschaffung “echter Software” birgt für uns Nutzer aber auch Gefahren. Wenn ein Hersteller weiss, das Montag morgen die meisten Briefe geschrieben werden, kann er künftig den Preis für ‘eine Stunde Textverarbeitung am Montag morgen’ kräftig anheben – auch Heizöl ist ja im Winter am teuersten. Oder: Das Preismodell für eine Textverarbeitung sieht möglicherweise eines Tages so aus, dass man die Grundfunktionen für 5 Euro im Monat bekommt, Serienbriefe aber erst ab 15 Euro im Monat (“Business-Tarif”). “Eines Tages” könnte es dann aber auch so sein, dass wir nicht mehr in der Lage sind, auf ein installierbares Programm auszuweichen, weil es keine klassische Software mehr gibt.


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